Kinoseminare Reutlingen 2011
Im Jahr 2002 wurden in Baden-Württemberg in 38 Städten, darunter auch in Reutlingen und Bad Urach, die ersten Kinoseminare, die sogenannten „Kinospecials“ veranstaltet. Hierbei handelt es sich um Seminare zur Gewaltprävention, bei denen Jugendliche durch das bei ihnen beliebte Medium Film für das Thema sensibilisiert werden sollen.
Diese damals neuartige Form der Prävention wurde zum Auftakt auf Initiative des Innenministeriums Baden-Württemberg von der Landesstiftung Baden-Württemberg mit Fördermitteln unterstützt.
Von Beginn an wurden in Bad Urach die Kinospecials jährlich mit großer und durchweg positiver Resonanz durchgeführt. Im Juli 2010 wurden nach mehrjähriger Pause die Veranstaltungen auch in Reutlingen wieder initiiert, im November 2010 fanden sie auch erstmals in Metzingen statt.
Ziele der Seminare
Die in den letzten Jahren deutlich zunehmende Gewaltbereitschaft, vor allem unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen, begegnet der Polizei Tag für Tag im Umgang mit Tätern und Opfern. Die Beamtinnen und Beamten bekommen die Gewalt auch selbst zu spüren, insbesondere wenn sie Gruppen gegenüberstehen, in denen derjenige am meisten anerkannt wird, der seine angebliche Stärke durch besonders aggressives Auftreten unter Beweis zu stellen versucht. Alkohol und Drogen spielen hierbei oft eine zentrale Rolle, stehen in direktem Zusammenhang mit Aggressionen und sind in mehr als der Hälfte der Fälle Auslöser für körperliche Gewalt.
Gewalt kann aber nicht allein mit polizeilichen Mitteln begegnet werden. Dieser gesamtgesellschaftlichen Erscheinung müssen auch möglichst alle gesellschaftlichen Kräfte gemeinsam entgegen treten. Die Kinoseminare sind ein gelungenes Beispiel hierfür. Polizei, Schulen, Gemeinden und Unternehmen ziehen an einem Strang, um möglichst bei vielen Jugendlichen das Bewusstsein für die mit Alkohol, Drogen und Gewalt einhergehende Problematik zu wecken.
Das Medium Film wird dabei ganz bewusst eingesetzt, ist es doch bei den Jugendlichen positiv besetzt und erleichtert den Zugang zu den Kids. Sie sollen erfahren und lernen, dass es möglich ist, auf einem selbstbestimmten, drogen- und gewaltfreien Weg durchs Leben zu gehen, und dass selbst erlebte Gewalt nicht zwangsläufig gleich beantwortet werden muss. Wie es gelingt, diesen Teufelskreis zu durchbrechen und Alternativen zu finden, wird in den angebotenen Filmen anschaulich dargestellt. Gleichzeitig wird auch ein deutliches Signal in Richtung Zivilcourage gesetzt.
„Reutlinger Kinospecials 2011“
Am 12. und 13. Mai 2011 finden im Cineplex-Theater in Reutlingen die diesjährigen Reutlinger Kinospecials statt. Dort werden in 5 Veranstaltungen insgesamt etwa 320 Schülerinnen und Schüler Reutlinger Real- und Werkrealschulen Spielfilme anschauen und sich insbesondere mit den Themen Gewalt und Cyper-Mobbing auseinandersetzen. Basis dafür sind die Filme BenX und Knallhart.
Teilnehmende Schulen:
Werkrealschule des BZN
Gerhard-Hauptmann-Schule
Eichendorff-Realschule
Mörikeschule
St. Wolfgang-Schule
Matthäus-Beger-Schule
Ablauf der Seminare
Das Polizeirevier Reutlingen organisiert die Seminare.
Idealerweise beginnen die Kinospecials aber nicht erst bei der Filmvorführung, sondern bereits in der jeweiligen Schule, mit der im Vorfeld gemeinsam festgelegt wurde, welche Themen bearbeitet werden sollten. Im Rahmen des Unterrichts werden die Schülerinnen und Schüler dann auf die Kinospecials eingestimmt.
Die besondere Kinoatmosphäre und die große Leinwand sorgen sowohl für Spannung, als auch für die notwendige Konzentration.Nach der Filmvorführung diskutiert ein Medienpädagoge mit den Jugendlichen über den Filminhalt und seine Botschaft. Positive Lösungsansätze werden verdeutlicht und es wird dargestellt, welche Möglichkeiten für eine gewaltfreie Problemlösung bestehen. Daneben werden die Jugendlichen für das ganz eigene Thema „Medienkonsum“ sensibilisiert. Den Jugendlichen wird verdeutlicht, wie Regisseure in Filmen durch spezielle Tricks und Kniffe eine positive oder negative Beeinflussung des Zuschauers vornehmen. Ziel ist dabei, den Jugendlichen einen kritischen Umgang mit den Medien zu vermitteln.
Dem Medienpädagogen steht jeweils ein Jugendsachbearbeiter der Polizei zur Seite, um ggf. aufkommende Fragen zu Jugendstrafverfahren oder anderen polizeilichen Themen beantworten zu können.
Partner / Sponsoren der Kinospecials
Kinospecials können nur mit Hilfe von Sponsoren durchgeführt werden, die bereit sind, insbesondere die Kosten für den unverzichtbaren Einsatz der Medienpädagogen zu tragen.
Den diesjährigen Sponsoren der Kinospecials gilt unser ganz besonderer Dank:
Die Jugendstiftung der Kreissparkasse Reutlingen hat sich bereit erklärt, die Kosten in Höhe von etwa 1.500 Euro zu übernehmen.
Der Betreiber des Cineplex-Kinos stellt die Räume grundsätzlich kostenfrei zur Verfügung. Mit einem eher symbolischen Unkostenbeitrag von einem Euro pro Schüler wird ein Teil der Personalkosten beglichen.